MAGAZIN

Instinkt, Spürsinn...

und Leidenschaft

Interview mit

Walter Freller

Kunsthandel Freller

Walter Freller, Galerist aus Linz, hat Instinkt und Spürsinn. Man mag in der Kunstgeschichte zu Hause sein, Theorie genügt jedoch bei weitem nicht, um ein Kunstwerk einzuschätzen. Im Umkehrschluss entsteht beim Liebhaber von Kunst jenes unabdingbare Vertrauen, bedenkenlos zuzugreifen, wenn Freller sagt: „das ist gut“.

Sie sind eine anerkannte Größe im österreichischen Kunsthandel und gelten, was das Werk Alfons Waldes betrifft, als weltweit unübertroffener Kenner. wie kam es dazu?

Als junger Kunsthändler war ich schon von Walde fasziniert. Die Manier, wie dieser Künstler beispielsweise Schneelandschaften malte, ist unglaublich differenziert. Darum auch der Begriff Schneemaler. Erst waren da einige Skizzen, soweit damals leistbar. Dann habe ich allen Mut und Geld in die Hand genommen und gleich zwei Walde erworben. In einer Ausstellung in Linz habe ich diese beiden Bilder gezeigt. Eines war schon bei Ausstellungs Eröffnung weg. Damit begann meine gezielte Suche nach Werken Alfons Waldes.

 

 

Es war wohl Walde, der Sie nach Kitzbühel geführt hat?

Oh Ja. Ich wollte die Landschaft vergleichen mit dem, was Walde so eindrucksvoll auf Leinwand und Karton gebracht hat. Man erkennt auf Anhieb, Schnee ist gar nicht so weiß, wie gemeinhin angenommen. Er ist, wie bei Walde: grau, dann wiederum violett, nur an einigen Stellen erscheint er tatsächlich weiß, so, wie wir uns das vorstellen.

 

 

Sie haben schon viele Walde Bilder besessen, was ist Ihr Lieblings Motiv?

Das ist nicht leicht zu beantworten. Walde an sich ist faszinierend. Manche frühen Werke erinnern an Gustav Klimt. Die Schaffensperiode Waldes, so wie sie uns von den pastos gemalten Sommer- und Winterbildern vertraut ist, artikuliert sich erst in den Zwanzigern in so einzigartiger Weise. Waldes Aktmalerei wurde zunächst zurückgehalten und mit der Prüderie seiner Epoche zugedeckt. Doch dieses Sujet aus Waldes Schaffen gewinnt durch freiere Denkweise heutzutage zunehmend Bedeutung.

 

 

Welche anderen Künstler gibt es neben Alfons Walde noch in Ihrer Galerie?

Die Linzer Galerie bietet einen überzeugenden Querschnitt der wichtigsten Österreichischen Maler des 19. und 20. Jahrhunderts. Da wäre Carl Moll, ein Vertreter der Wiener Sezession um 1900, für mich ein wichtiger Protagonist. Auch er hat einen prägnanten Stil, typisch wie Walde, aber natürlich anders. Ferdinand Georg Waldmüller, Friedrich Gauermann, Emil Jakob Schindler, eine Marie Egner erwähnenswert, auch Künstler um die Jahrhundertwende, wie Egon Schiele, Gustav Klimt, Oskar Kokoschka und dann Künstler wie Franz Sedladcek, Rudolf Wacker, Josef Floch, Josef Dobrowsky bis hin zu den Zeitgenossen.

 

 

Wo kann man Ihre Bilder noch bewundern?

Immer wieder sind wir auf Ausstellungen präsent. In der Salzburger Residenz, der Hofburg in Wien, usw. Museen suchen bei uns wichtige Leihgaben. Da fällt mir spontan Carl Moll ein. Den beispielsweise die Österreichische Galerie/Belvedère in Paris ausgestellt hat.

Foto: Paul Dahan
Oskar Mulley, „Bergbauernhof“,
Öl auf Leinwand 100 x 170 cm
Oskar Mulley, „Beim Kirchgang“,
Öl auf Karton/Leinwand, 30 x 30 cm
Alfons Walde, „Bauernsonntag“,
Öl auf Karton, 70 x 50 cm